Mea Sponte

Mea Sponte

Niklas Fröhlich  //  

Jan 30 / 11:36pm

Der größte aller Mörder

Ungehorsam als zivilisatorische Leistung

Man hört immer gerne die Gegeneinaderrechung der Opfer von Ideologien, Kriegen, Staaten, Führern und Religionen. Wer ist das größte aller Ungeheuer unter den menschlichen Wesen und Gedankenkonstrukten? Welche Ideologie, welche Geistesregung kann die meisten Opfer auf ihre Fahne schreiben? Der Völkerhass und die Kriegsvernarrtheit des Nationalsozialismus, die hasserfüllte Gnadenlosigkeit Hitlers? Doch eher die gnadenlose Gleichheitssense des Kommunismus, die Köpfe gleich Grashalmen fallen ließ, das paranoid-tyrannische Machtspiel Stalins? Vielleicht sogar die nicht weniger kriegerische "moderne Demokratie", deren Absolutheitssanspruch sie in die ganze Welt trägt? Oder doch eher Religionen? Vielleicht das kreuzfahrende und hexenjagende Christentum? Der Islam, auf dessen Grundlage bis heute unwürdigste Verbrechen aufgebaut werden? Immer wieder sieht man die Vertreter - oder Gegner - der einen oder anderen Geisteshaltung sich wilde Kämpfe um die Zerstörungskraft der einen oder anderen Idee, sei sie politisch oder religiös, schlagen. Antifaschisten, Antikommunisten, Islamgegner, Christenfeinde, sie alle richten sich gegen bestimmte Lehren und Glaubensinhalte - und jeder verkündet stolz, dass er sich einer mörderischen Ideologie entgegenstelle. "Sozialismus ist Mord!", mag der Liberale tönen. "Faschismus ist Mord!", tönt der Sozialist. "Der Islam ist Mord!", tönen die immer penetranter auftretenden "Islamkritiker". "Religion ist Mord!", hört man aus dem Munde der Atheisten. Aus dem Mund von Anarchisten tönt es gerne "Der Staat ist Mord!".

Was also ist das größte geistige oder sogar fleischliche Ungeheuer der Menschheit, ihres Wesens und ihrer Geschichte?

Politische Verbrechen
Wir neigen dazu, in der Politik bzw. der politischen Geschichte entweder sehr zu abstrahieren oder sehr zu personalisieren.

Zuerst die Abstraktion: Das Gegenteil des Verweises auf einzelne Personen, der, wie wir oben gesehen haben, inkorrekt ist, ist der Verweis auf eine ganze Idee/Ideologie.
Ich frage: Wann hat der Sozialismus, der Faschismus oder Islam je eine Waffe in die Hand genommen und sie einem Opfer an den Kopf gesetzt? Ideen töten nicht, denn Ideen sind immateriell. Zum Mord wird eine Idee erst durch die Hand eines ihr folgenden Mörders. Und auch die abstrakte Idee des Staates ist kein Mörder - nie habe ich einen "Staat" eine Waffe ergreifen sehen. Wir sehen: Ideologien töten nicht. Menschen töten. Und das lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Wirkliche: Auf den handelnden Menschen.

Dies führt uns gleich zur Personalisierung: Wir sagen:  "Stalin beseitigte alleine im Zuge seiner "Säuberungen" bis zu 20 Millionen Menschen." oder "Hitler fielen durch deutsche Verbrechen (abseits der Kriegshandlungen) knapp 13 Millionen Menschen zum Opfer."Wir sprechen hier natürlich metaphorisch. Gewiss war es nicht der gescheiterte braunauer Künstler, der die Juden in die Lager und Gaskammern drängte, der ganze Völker mit vorgehaltener Waffe vertrieb oder in Arbeitslager sperrte, der an der Front Millionen von Soldaten ermordete. Sondern es waren Millionen junge Männer (und auch Frauen), die nur an den Lippen ihres Führers hingen, die Waffe entsichert und zu jeder Gräueltat bereit. Hitler beging in seiner Regierungszeit nicht einen Mord. Er sperrte niemanden in Lager und vernichtete nicht eine Stadt. Alles was er tat, war davon zu sprechen. Es waren Worte, bloße ausgesprochene Gedanken eines Einzelnen, fast schon lächerlichen Menschleins.
Haben also diese Worte irgendeinem Menschen das Leben genommen? Nein. Worte, Ideen töten keine Menschen, der millionenfache Mord wurde von Hand jener begangen, die den Worten ihres Führers, ihres "Staates", gehorchten. Hätten sie es nicht getan, in Berlin hätte ein geistig verwirrter Hassprediger gestanden und sich heiser geredet, nicht ein Schuss wäre gefallen, nicht ein Mensch hätte sein Leben gelassen.
Gewiss waren die wenigsten überzeugte Nationalsozialisten, sie hätten aus eigenem Antrieb ohne den Befehl ihres Führers niemals derartige Verbrechen auch nur im Sinn  gehabt. Wenn aber die Verbrechen weder von jedem einzelnen ausgehen, noch vom einzelnen Befehlenden, was ermöglichte sie dann?

Religion
Bewegen wir uns einmal abseits von politischer Ideenwelt und Führerschaft und betrachten wir das zweite angesprochene Feld: Die Religion.
Auch hier wird immer starke Kritik angebracht: Der Islam, das Christentum, das Judentum und jede andere Religion enthalten ohne Frage unzählige mehr als fragwürdige Inhalte. Offen wird dort, das halten die Anhänger der Religionen sich gegenseitig und der Atheist allen gerne vor, zu Raub, Unterdrückung oder sogar Mord aufgerufen. Und unzweifelhaft: Unzählige Millionen Menschen fanden den Tod unter der Begründung, die Religion, Gott gebiete es. Sind also die Religionen unterdrückerisch und hassverbreitend? Sind sie die wahren Ungeheuer der menschlichen Geschichte?
Und wieder kann ich obiges aufgreifen. Ich frage alle Islamkritiker: Wann hat jemals der Islam einen Stein ergriffen und eine Ehebrecherin gesteinigt? Und wieder: Religionen morden nicht, Menschen morden. Ich möchte hier auch auf einen grandiosen Artikel von Stefan Blankertz verweisen, der sich mit eben solchen verbrechersichen religiösen Geboten beschäftigt. Er kommt sinngemäß zum Schluss, dass die religiösen Gebote sich immer erst im handelnden Menschen verwirklichen, der sie, wie alle seine Handlungen, seinem eigenen Gewissen unterwerfen muss.
Und genau dieser Punkt führt uns zur Antwort auf die Frage nach dem größten Mörder.

Das eigene Gewissen?
Folgten die mordenden Untergebenen Hitlers, Stalins oder die mordenden Christen und Moslems in ihren heiligen Kriegen ihrem eigenen Urteil? Nichts taten sie weniger. Sie folgten Befehlen und Geboten einzelner, seien es politische Führer, religiöse Propheten und Kultverfasser oder auch politischer Propheten. Sie unterstellten ihre eigene Handlung nicht mehr sich selbst, sondern anderen Menschen. Allem genannten Übel ist dieses Eine gemein: Es wurde erst durch das wahre Ungeheuer, die große Fehlentwicklung des Menschengeschlechts möglich: Den Gehorsam. Und hier haben wir ihn, den größten aller Mörder. Nicht "der Sozialismus" oder "Faschismus" mordete, sondern die gehorsamen Menschen, die ihr Gewissen unter fremden Befehlen ausschalteten, nicht der Islam oder das Christentum sind ein Problem, sondern der Gehorsam Menschen, die den Geboten jener Kulte unreflektiert folgen. Nichts ist so gefährlich wie Gehorsam.
Wenn es auch individuelle Morde, sei es aus Eigennutz oder im Affekt, gibt, ist es doch einleuchtend: Ich denke ich brauche keine Zahlen anzuführen um aufzuzeigen, dass die Opfer von Kriegen, Völkermorden und Ähnlichem, also die Opfer von Befehlsausführungen tausendmal höher sind als es die Zahlen individueller Morde je sein werden. Dem eigenen Gewissen folgend neigt der Mensch - aus Reziprozität - eher zur Friedsamkeit als zur Gewalt.

Der Gehorsam erst, macht ihn zum Mörder, der Gehorsam erst, weckt das gnadenlose Ungeheuer. Der Gehorsam gegenüber allen Geboten, losgelöst vom eigenen Urteil.


Der ökonomische Unnutzen des Gehorsams
Dieser radikalen Gefahr des Gehorsams liegt eine simple ökonomische Begebenheit zugrunde. Der Mensch ist fehlbar. Gesellschaft, als Mittel zur Verwirklichung seiner Zwecke, dient dabei oft als Korrektiv: In zwischenmenschlicher Zusammenarbeit kann sich Gutes zusammenfinden und Schlechtes erkannt und beseitigt werden. Zwei Menschen arbeiten in gegenseitiger Hilfe effizienter als einer, schon deshalb, weil in vielen Menschen mehr Informationen zusammenkommen, als in wenigen. So profitiert jedes Individuum von der gegenseitig optimierenden und ergänzenden Kooperation.
Der Gehorsam beendet diese zivilisatorische Leistung der Zusammenarbeit. Er unterstellt die Handlungen Vieler den Wenigen. Und ebenso wie in freier Zusammenarbeit die Menschen gegenseitig Fehler beheben, werden nun durch Übertragung der Fehler eines Einzelnen Verstandes auf Alle diese Fehler noch multipliziert.
Gehorsam zeigt sich somit also eine der Gesellschaft (als Summe der Individuen) in jeder Form undienlich.*

Ungehorsam oder Untergang
Gerne führt man heute Reden, man habe "den Faschismus" oder den "totalitären Staat" überwunden. Doch ist das wirklich so? Wir haben gesehen, dass nicht der Faschismus das Problem ist, sondern der Gehorsam. Und tun all die Soldaten, Polizisten, Schreibtischbeamten usw. heute etwas anderes als sie es im dritten Reich taten: Gehorchen, "treu ihre Pflicht tun"? Der Großteil von ihnen würde, das ist eine traurige Wahrheit, die wir nicht ignorieren dürfen, dieselben Dienste auch unter einer faschistischen oder kommunistischen, einer verbrecherischen und tyrannischen Regierung tun.
Es heißt, der Faschismus sei tot. Doch solange der Gehorsam lebt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis irgendeine große Idee, ein großer Führer daher kommt und dem gleichen Gehorsam einen neuen Inhalt unterstellt. Es ist eine glückliche Fügung (und nicht mehr), dass die aktuell Herrschenden das volle Potenzial dieses Gehorsams (noch?) nicht ausnutzen.
Mehr noch: Je mehr der Gehorsam - die Bürokratie, der Zentralismus, die Staatlichkeit (aber auch das unstaatliche Monopol) - sich breit macht, desto schlechter werden die dezentralen Informationen der einzelnen Individuen gesammelt und in freier Zusammenarbeit zusammengefügt. Der Fortschritt stockt, statt gegenseitiger Optimierung macht sich der Primat Einzelner und somit Multiplikation statt Begrenzung derer Fehler breit. Viele Probleme, Krisen und Unzulänglichkeiten, wenn nicht sogar alle, von Staat und Gesellschaft sind auch heute darauf zurückzuführen.

Langfristig stehen wir also vor der Entscheidung zwischen zwei Wegen: Auf der einen Seite steht die Selbstenfaltung, das eigene Gewissen und die Zusammenarbeit und gegenseitige Verbesserung der Individuen. Auf der anderen Seite steht die Unterordnung und die Übertragung und Vermehrung der unkorrigierten Fehler eines Einzelnen, kurzum: Der Gehorsam.
Zivilisatorische Leistung ist primär am Abbau von Gehorsam zu Gunsten des freien, selbst wertenden Ichs zu messen. An der Überwindung des Gehorsams hängt das Schicksal der menschlichen Zivilisation.


* Natürlich ist "Gehorsam" klar zu trennen von "Ansehen" oder "Vorbild". Beides folgt dem System der gegenseitigen Optimierung und niemand ist in allen Bereichen von Werken und Wissen gleich befähigt und angesehen, jeder anderswo ein Vorbild. Die "Autorität" des Gehorsams aber maßt sich an, in nahezu allen oder gar gänzlich allen Bereichen den Untergebenen vorzustehen.

Dec 29 / 2:29am

Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Ein offener Brief an alle politischen Würdenträger der "Bundesrepublik Deutschland".

Dieser Brief richtet sich an alle, die politisches Amt und politische "Würde" tragen (und natürlich auch jene, die es werden wollen).

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wieder einmal neigt sich ein Jahr dem Ende zu und mit den hektischen Tagen um Weihnachten und Neujahr kommt dann und wann auch immer ein wenig Zeit der Ruhe und inneren Besinnung auf.  Und so möchte Ich auch Sie bitten, in einem dieser stillen Momente einmal in sich zu gehen und über ihr Leben nachzudenken - gönnen sie sich das ruhig, über das Leben anderer Menschen machen sie sich ja bereits das ganze restliche Jahr aufopferungsvoll Gedanken.
Das Jahr 2010 war kein leichtes. Eurokrisen, emotionsgeladene Integrationsdebatten, Bürgerproteste, unschöne Ränkespiele und Kämpfe zwischen den Parteien, in den Parteien und schließlich hat auch der durchschnittliche Stummwähler nicht ein lobendes Wort für "die Politik", sei es Regierung oder Opposition, übrig. Ist das nicht unfair? Haben Sie nicht, Ich bin so frei, ihnen dies zu unterstellen, die besten Absichten? Opfern Sie nicht einen Großteil ihres Lebens, ihres Daseins auf und haben am Ende doch kaum mehr als Verdruss?


Ich möchte Ihnen für die besinnlichen Momente des Jahreswechsels nur eine einfache Frage stellen: Wieso tun Sie sich das an? Finden Sie so viel Freude am Politikerdasein mit all seinen Schwierigkeiten und Enttäuschungen?
Und wieder unterstelle Ich Ihnen scheinbar Edeles: Sie wollen sich für Ihre Mitmenschen aufopfern, ihnen helfen, Gutes tun! Dies ist umso schwerer, da diese Menschen es Ihnen kaum danken, aber auch umso edeler. Denken Sie so? Wenn ja, kann ich Sie gerne aus der Pflicht nehmen: Für mich brauchen Sie das nicht zu tun. Und nicht nur Ich entlasse Sie gerne, ich kenne mehr als genug Leute, ja vermutlich ist dies sogar unbewusst die breite Mehrheit der Menschen, die überaus froh wären, einfach mal in Frieden gelassen zu werden. Ich möchte, gute Absichten hin oder her, Ihre Hilfe nicht und es ist nichts edles daran, sie Mir aufzudrängen.
Damit sind Sie also entlassen, befreit von der drückenden Pflicht und Verantwortung. Ob sie das genauso sehen, sei dahingestellt, aber gönnen Sie sich in diesem besinnlichen Moment nur einmal den - rein hypothetischen - Gedanken. Was nun? Sie hätten eine Menge Zeit, ganz abseits vom ewigen Medienrummel, Fraktionszwang und politischem Ränkespiel. Was wollten sie schon immer einmal tun? Da gibt es doch sicher noch einiges, nicht wahr?
Gehen Sie auf Reisen oder sehen sie in der Oper das Stück, das sie immer einmal sehen wollten. Besuchen Sie mal wieder alte Freunde und Verwandte, die Sie viel zu lange nicht mehr gesehen haben. Gehen Sie auf das Konzert der Band, die sonst immer nur dann auf Tour war, wenn Sie im Bundestag darüber streiten mussten, ob die Menschenwürde nun 5 Euro mehr oder weniger wert ist. Kaufen Sie sich von Ihrer üppigen Diät doch einmal einen Gaming-PC oder eine aktuelle Konsole und testen sie eines der Killerspiele an, über die Sie so lebhaft zu streiten wissen. Ich verspreche Ihnen, Zocken macht ganz sicher mehr Spaß, als Zocken zu verbieten! Wieso also letzteres wählen? Experimentieren sie doch einmal mit bewusstseinserweiternden Drogen oder - für den Anfang - auch nur mit Gras, das Sie per Federstreich verboten haben und man trotzdem an jeder Ecke kaufen kann. Auch da macht Konsumieren bestimmt mehr Freude als Verbieten, probieren sie es doch einfach einmal aus. Nennen Sie es meinetwegen "Sachverständigen-Analyse" - in der Begriffsverdrehung sind sie da ja erfahrungsgemäß sehr geschickt, das sollte für Ihr Vergnügen also kein Hindernis sein.
Frau Merkel, ich sehe Ihnen doch an, dass diese ewigen Hosenanzüge sie nur bedrücken. Schnappen Sie sich doch mal wieder ihre Mädels, kramen Sie etwas in ihrem Kleiderschrank und gehen mal wieder ordentlich tanzen! Herr von Guttenberg, wenn Sie schon mit hochwohlgeborenem Adels-Charme versuchen etwas Stil in die Politik zu bringen, machen sie es doch richtig: Leben sie ihren Adel aus! Laden Sie doch in eines ihrer Anwesen ein, ein eleganter Ball, gute Musik, vielleicht laden sie noch den einen oder anderen bildenden Künstler ein - der Kultur wegen - und Sie verbringen tausendmal schönere Tage als in der Politik. Kombiniert mit einer Spendengala erhält da selbst Ihre Gattin die Möglichkeit, sich zu profilieren.
Liebe Politiker, steckt denn keine Kreativität in ihnen? Musizieren Sie, schreiben Sie, dichten Sie, experimentieren Sie in der Küche - hat die stumpfe Tagespolitik und Paragraphenschlägerei nicht zuweilen einen schöpferischen Drang in ihnen geweckt? Werden Sie einmal aktiv!
Liebe Grüne, wenn ihr doch die Umwelt so sehr mögt, gönnt doch Euren Gärten einmal etwas entspannte Aufmerksamkeit, oder unternehmt ausgedehnte Waldspaziergänge - unterstützt vielleicht das lokale Tierheim oder sammelt den Müll aus den Stadtparks. Liebe Konservative, die Ihr für Kultur, Bildung und "Werte" stehen wollt, organisiert doch einmal ein Kulturfest und zeigt uns, was eine "Leitkultur" nach Eurem Dafürhalten hervorbringen kann. Dafür wäre Ich Euch viel dankbarer, als Ich es je für einen Tag im Parlament sein könnte. Liebe Linke, die ihr euch "sozial" nennt, nutzt doch Eure Zeit einmal, um in Suppenküchen und Sozialläden auszuhelfen, sammelt Spendengelder, kurzum bitte ich Sie alle: Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Ideale zu leben. Und wenn Sie das nicht wollen, was können das dann für Ideale sein?

Ich bin sicher Sie werden irgendetwas finden, wofür Ihr Herz sich begeistern lässt. Mehr noch: Machen nicht viele dieser Vorstellungen viel mehr Freude und erfüllen sie und ihre Mitmenschen mit mehr Glück als das graue, ungeliebte politische Tagesgeschen? Gewiss! Wieso also tun sie das, wieso sind sie Politiker? Hören sie doch einfach auf mit dem, das sie nicht glücklich macht. Für Mich tun sie das nicht, Ich spreche sie Mir gegenüber von allen Verpflichtungen frei und - wie gesagt - die meisten Menschen gönnen es Ihnen, dass Sie sich um Ihr eigenes Leben kümmern. Leben Sie doch einmal selbst Ihr Leben, bevor Sie versuchen helfend in die Leben aller anderen Menschen einzugreifen! (Leider, muss ich Ihnen auch sagen, sind diese Eingriffe eigentlich immer eine ausgesprochene Pfuscherei)


Wenn Sie aber weiterhin ihr "Amt" ausüben, obwohl ich Sie doch freispreche, bleibt eigentlich nur noch eine weitere Möglichkeit: Sie finden persönlichen Genuss an ihren Privilegien, ziehen Profit aus ihren Verbindungen zu Regierungen und Konzernen, die wirklich produktive wirtschaftliche Arbeitswelt fürchtend, welche sie kaputt "geholfen" haben. Sie leben, ganz wie die Kaiser und Könige der früheren Tage, Ihr hohes Leben auf Kosten der breiten, dafür zahlenden Mehrheit aus,  die Sie egoistisch ausbeuten. Nicht dass Ich etwas gegen gesunden Egoismus hätte. Seien sie ruhig egoistisch und leben Sie - wie oben gesagt - Ihr eigenes Leben endlich aus. Aber bleiben sie doch erstens bitte in Ihrem eigenen und leben Sie dieses zweitens doch bitte nicht auf unsere Kosten. Sollte dieser ausbeuterische Egoismus wirklich wahr sein, so möchte ich diesen Brief hiermit an die Bürger, Nein, Untergebenen, dieser Regierung richten - mit Ihnen habe Ich dann nichts mehr zu bereden.

Aber so etwas möchte ich Ihnen wirklich nicht unterstellen. Natürlich denke Ich, dass die meisten von Ihnen es wirklich gut meinen. Aber, wie man sagt, ist "gut" leider allzu oft - und hier ganz gewiss - das Gegenteil von "gut gemeint". Meinen Sie es also lieber mit dem Menschen gut, bei dem sie wissen, was ihm gefällt: Sich selbst! Und Sie finden sicher genug, um sich auszuleben. Denken sie nur einmal darüber nach, wie und wofür Sie ihr Leben eigentlich leben.

Freundliche Grüße und in Kürze ein frohes Neues Jahr,
Niklas Fröhlich

Nov 14 / 2:26pm

Was sind Leben und Würde des Menschen wert?

Geht es um Sozialhilfe, Gesundheitswesen, Sicherheit und allgemein alles, was Einfluss auf Physis wie Psyche des Menschen hat (und dies kann alles sein), wird in der politischen Debatte immer gerne mit den Begriffen wie "Menschenwürde" und "Wert des Lebens" umhergeworfen.
Dies ist ohne Frage immer der Versuch eines Totschlag-arguments, schließlich würde kein aufgeklärter Mensch versuchen den hohen Wert vom menschlichen Leben und seiner Würde in Frage zu stellen. Doch die rhetorische Verwendung dieser Phrasen möchte ich hier nicht näher behandeln. Vielmehr möchte ich die Frage stellen, was denn hinter derartigen Aussprüchen steckt.

Ich möchte drei - erdachte, aber sehr realitätsnahe - Beispiele ansprechen.

I Das Kind von Familie K. ist lebensbedrohlich krank, die Familie kann sich die lebensrettende Operation aber nicht leisten. Die staatliche Krankenversicherung zahlt nicht. In der politischen wie gesellschaftlichen Debatte heißt es: "Da muss der Staat/die Gesellschaft etwas tun! Der Wert des Lebens kann nicht in Geld gemessen werden!"

II Wieder einmal herrscht eine heiße Debatte um die Höhe der Hartz-IV Sätze. Es werden Beispiele von Familien angeführt, die streng sparen müssen und ein schweres Auskommen haben. Und wieder heißt es "Diese Armutsverhältnisse sind menschenunwürdig! Für die Würde des Menschen muss doch die Gesellschaft bereit sein, wesentlich mehr zu bezahlen!"

III Bei einem Flugunglück kommen mehrere dutzend Menschen um. Die Ursache des Unglücks wird bald ausgemacht: Ein bestimmtes Teil neigt bei bestimmten, überaus seltenen, Verhältnissen zu Fehlfunktionen. Das Flugunternehmen stellt eine Kalkulation an und kommt zum Schluss, dass die Implementierung eben jenes Teils zu teuer wäre. Es bleibt bei dem Risiko. Noch einmal gibt es den Aufschrei: "Es darf nicht sein, dass ein, sogar mehrere dutzend, Menschleben weniger wert sind als eine geringe Summe Geld! Für Wert und Würde des Menschenlebens muss das Unternehmen auch hohe Kosten auf sich nehmen - und wenn man es durch den Staat dazu zwingt!"

Jeder dieser Fälle ist gut denkbar und in dieser oder sehr ähnlicher Form alltäglich. Und immer glauben die Moralisten sich siegreich, wenn sie anführen, wie wertvoll und bedeutend doch der Wert des Lebens ist. Immer wieder lassen sich so die Herzen der Menschen erobern.

 

Einmal Würde... das macht dann 1000€, bitte!

Ich stimme zu: Der Wert von Leben und Würde des Menschen ist gewaltig und wird meist als zu niedrig betrachtet. Doch ich frage auch, dies richte ich an jene Moralisten: Kennt er denn irgendeine Grenze?
Bezogen auf den Hartz-IV Fall etwa würde natürlich eingeworfen, dass die geringe Summe von 100€ zu wenig sei. Dies sei menschenunwürdig. Wie steht es mit 500€? Wird dies der menschlichen Würde gerecht? Nein? 1000€? Forderer eines bedingungslosen Grundeinkommens fordern oft genau diese Tausend Euro und bringen oft auch das Argument der Würde. Aber soll denn die menschliche Würde wirklich nur 1000€ wert sein? Für tausend Euro kann ich mir nicht einmal ein neues Auto kaufen - soll also die menschliche Würde weniger wert sein als ein vierrädriges, motorisiertes Beförderungsmittel?
Dieses Spiel lässt sich weiterspielen und jeder der Würdeverteidiger wird irgendwann sagen müssen: "Hier ist eine Grenze!" Mancher macht dies bei 500€, mancher bei 1000€, mancher gar bei zehn-, oder hunderttausend. Und immer kann ich fragen: Die Würde des Menschen ist weniger Wert als ein Auto, ein Sportwagen, ein Haus?!
Wie passt das damit zusammen, dass die menschliche Würde doch so unerreichbar hoch und - laut Grundgesetz- "unantastbar" ist?

Dieses Problem lässt sich anhand der anderen beiden Beispiele noch drastischer gestalten.
Nehmen wir den Fall des lebensbedrohlich kranken Kindes. Setzen wie einmal fest, dass die Behandlung des Krankheit 500 Euro kostet. Die Empörung ist - scheinbar zurecht - groß : Ein Menschenleben soll keine 500 Euro wert sein? Ohne Frage ist es mehr wert. Was wäre nun, wenn die Kosten bei 1000€ lägen? Ein Menschenleben soll keine 500 Euro wert sein? Ohne Frage ist es mehr wert. Was ist mit 10.000€? Natürlich ist ein Menschenleben mehr wert! Was ist mit 100.000, oder einer Million, oder zehn Millionen?
Irgendwann wird nahezu jeder sagen: "Beim Wert X besteht eine Grenze." oder "Man muss natürlich abwägen, irgendwann wird es zu teuer.", was im Kern das gleiche ist, sich aber feige um die genaue Grenze - also den Wert - des Lebens umherdrückt.

 

Nicht einen Pfennig wert!

Das wahre Ende dieses Moralismus tritt jedoch ein, nachdem diese Grenze einmal festgelegt ist. Nehmen wir an, 10.000€ wurden als Wert festgesetzt, zu dessen Zahlung die Politik bzw. die von ihr enteigneten Menschen verpflichtet sind. Die Grenze steht fest und darf - sonst wäre sie keine Grenze - nicht überschritten werden. Nehmen wir nun an, die Behandlung würde 10.000,01€ kosten. Wir sehen plötzlich einen überaus abstrusen Fall vor uns: Weil die Grenze um diesen einen Cent überschritten wurde, besteht keine Verpflichtung mehr zu zahlen und so wird die Behandlung nicht übernommen.
Das heißt nichts anderes, dass nach einmal erfolgter Grenzsetzung, das Leben im Ernstfall nicht einen einzigen Cent wert ist. Führt dass die ganze Sache nicht ad absurdum?
Im Falle des Flugzeugs gestaltet sich das nahezu genauso, nur noch mehr verwirrt durch die Tatsache, dass dort nur ein Risiko ist, was im obigen Fall gewiss ist (und dadurch, dass potenziell mehr Menschen bedroht sind).

 

Grenzenloser Wert

Was ist der Ausweg? Was ist mit der zweiten Antwort, dass es eben einfach keine Grenze für den Wert von Würde und Leben gibt? Denken wir uns einmal, dass einfach keine Grenze gesetzt wird, die den Wert von Leben und Würde ad absurdum führt. Sagen wir einfach: ALLES muss für das Leben (die Würde) gezahlt werden.
Im Falle des kranken Kindes also: Auch eine sehr exotische, spezielle 10 Millionen-Euro Behandlung müsste finanziert werden, weil der Wert des Lebens nicht in Geld zu messen ist. Damit befreit der Moralist sich jedoch keinesfalls von der bestehenden Problematik, die Ressourcen zu benötigen. Die Regierung erlangt diese über die Zwangsenteignung der "Steuer". Doch unabhängig von deren Legitimation verändert dies das Problem überhaupt nicht. Denn jedes Gut ist stets knapp und zum Zeitpunkt t endlich, es kann zum Zeitpunkt t nur einmal verwendet werden. Irgendwo her müssen die Ressourcen, mit denen "der Wert des Lebens" gezahlt wird, genommen werden - und das bedeutet, dass jemand anders sie nicht nutzen kann.  Nehmen wir an, die Regierung, als "Inkarnation der Gesellschaft", ist tatsächlich verpflichtet die 10 Millionen zu bezahlen, so muss sie diese 10 Millionen von anderen Menschen nehmen. Selbst wenn sie so als das Leben des Kindes Rettet - wie es sein Lebenswert gebietet - fügt sie dabei den anderen Menschen unter Umständen Leid zu. Es passt nicht zur Befolgung der Verpflichtung zur Lebenserhaltung, ein Leben zu retten und dadurch hunderten Menschen das Geld zum Leben zu nehmen.  Es werden Menschenwürden in gnadenlosem Verdrängungskampf gegeneinander ausgespielt. Dies würde sich noch ärger ad absurdum führen als das Problem der Grenzziehung.
Wir sehen also, dass aufgrund der Knappheit der Ressourcen irgendeine Grenze gezogen werden muss.

Endwertung der Entwertung

Und wir haben auch gesehen, dass jede Grenze den Wert des menschlichen Lebens und seiner Würde völlig auf den Kopf stellt und verdreht.
Zurück bleibt die Entlarvung jener Moralismen: Nichts entwürdigt, entwertet und verdreht den Menschen mehr, als der Versuch ihm "objektiv" einen Wert zuzuweisen. Es ist der Versuch aus dem Menschen eine bürokratisches Rechnungsziffer zu machen. Die moralistischen Verteidiger von Menschwürde und Lebenswert sind in Wahrheit dessen größte Feinde. Unter ihnen wird der wahre menschliche Wert* zur Farce und schlimmer: Zur politischen Legitimation seiner eigenen Entwertung.

Zurück bleibt das, was jenen Moralisten eigentlich Prämisse war, von ihnen selbst aber nicht verstanden wird: Menschlicher Wert und menschliche Würde haben überhaupt nichts mit Besitz zu tun bzw. sind nicht in ihnen messbar. Wer lebt denn würdiger, der Arme, oder der Raubmörder? Wer lebt würdiger, der Inhaftierte, besitzlose Dissident oder der kriechende, sich selbst verleugnende, aber wohlhabende Kollaborateur?

Wenn es eine Sache gibt, die der Politik entrissen werden muss, dann die Definition des Wertes des Lebens und dessen Würde. Denn, wie wir gesehen haben, kann sie diese nur zerstören und gegeneinander ausspielen.
Daran sollte gedacht werden, wenn in Talkrunden und politischen Reden wieder die Rede davon ist, für ein "menschenwürdiges Leben zu sorgen" oder den "Wert des Lebens über alles zu stellen." Beides kann die Politik, aus einfacher Betrachtung heraus, nicht.


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Anm: Dazu kommt auch das Problem der sozialen Gerechtigkeit, dass ich vorher beschrieben haben.

* Und der (der Wert des individuellen Lebens/ der Würde) ist schon deshalb nicht erfassbar, weil es aufgrund der Unübertragbarkeit der Persönlichkeit keinen Markt für Würde und Leben gibt.