Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Ein offener Brief an alle politischen Würdenträger der "Bundesrepublik Deutschland".
Dieser Brief richtet sich an alle, die politisches Amt und politische "Würde" tragen (und natürlich auch jene, die es werden wollen).
Sehr geehrte Damen und Herren,Wieder einmal neigt sich ein Jahr dem Ende zu und mit den hektischen Tagen um Weihnachten und Neujahr kommt dann und wann auch immer ein wenig Zeit der Ruhe und inneren Besinnung auf. Und so möchte Ich auch Sie bitten, in einem dieser stillen Momente einmal in sich zu gehen und über ihr Leben nachzudenken - gönnen sie sich das ruhig, über das Leben anderer Menschen machen sie sich ja bereits das ganze restliche Jahr aufopferungsvoll Gedanken.
Das Jahr 2010 war kein leichtes. Eurokrisen, emotionsgeladene Integrationsdebatten, Bürgerproteste, unschöne Ränkespiele und Kämpfe zwischen den Parteien, in den Parteien und schließlich hat auch der durchschnittliche Stummwähler nicht ein lobendes Wort für "die Politik", sei es Regierung oder Opposition, übrig. Ist das nicht unfair? Haben Sie nicht, Ich bin so frei, ihnen dies zu unterstellen, die besten Absichten? Opfern Sie nicht einen Großteil ihres Lebens, ihres Daseins auf und haben am Ende doch kaum mehr als Verdruss?
Ich möchte Ihnen für die besinnlichen Momente des Jahreswechsels nur eine einfache Frage stellen: Wieso tun Sie sich das an? Finden Sie so viel Freude am Politikerdasein mit all seinen Schwierigkeiten und Enttäuschungen?
Und wieder unterstelle Ich Ihnen scheinbar Edeles: Sie wollen sich für Ihre Mitmenschen aufopfern, ihnen helfen, Gutes tun! Dies ist umso schwerer, da diese Menschen es Ihnen kaum danken, aber auch umso edeler. Denken Sie so? Wenn ja, kann ich Sie gerne aus der Pflicht nehmen: Für mich brauchen Sie das nicht zu tun. Und nicht nur Ich entlasse Sie gerne, ich kenne mehr als genug Leute, ja vermutlich ist dies sogar unbewusst die breite Mehrheit der Menschen, die überaus froh wären, einfach mal in Frieden gelassen zu werden. Ich möchte, gute Absichten hin oder her, Ihre Hilfe nicht und es ist nichts edles daran, sie Mir aufzudrängen.
Damit sind Sie also entlassen, befreit von der drückenden Pflicht und Verantwortung. Ob sie das genauso sehen, sei dahingestellt, aber gönnen Sie sich in diesem besinnlichen Moment nur einmal den - rein hypothetischen - Gedanken. Was nun? Sie hätten eine Menge Zeit, ganz abseits vom ewigen Medienrummel, Fraktionszwang und politischem Ränkespiel. Was wollten sie schon immer einmal tun? Da gibt es doch sicher noch einiges, nicht wahr?
Gehen Sie auf Reisen oder sehen sie in der Oper das Stück, das sie immer einmal sehen wollten. Besuchen Sie mal wieder alte Freunde und Verwandte, die Sie viel zu lange nicht mehr gesehen haben. Gehen Sie auf das Konzert der Band, die sonst immer nur dann auf Tour war, wenn Sie im Bundestag darüber streiten mussten, ob die Menschenwürde nun 5 Euro mehr oder weniger wert ist. Kaufen Sie sich von Ihrer üppigen Diät doch einmal einen Gaming-PC oder eine aktuelle Konsole und testen sie eines der Killerspiele an, über die Sie so lebhaft zu streiten wissen. Ich verspreche Ihnen, Zocken macht ganz sicher mehr Spaß, als Zocken zu verbieten! Wieso also letzteres wählen? Experimentieren sie doch einmal mit bewusstseinserweiternden Drogen oder - für den Anfang - auch nur mit Gras, das Sie per Federstreich verboten haben und man trotzdem an jeder Ecke kaufen kann. Auch da macht Konsumieren bestimmt mehr Freude als Verbieten, probieren sie es doch einfach einmal aus. Nennen Sie es meinetwegen "Sachverständigen-Analyse" - in der Begriffsverdrehung sind sie da ja erfahrungsgemäß sehr geschickt, das sollte für Ihr Vergnügen also kein Hindernis sein.
Frau Merkel, ich sehe Ihnen doch an, dass diese ewigen Hosenanzüge sie nur bedrücken. Schnappen Sie sich doch mal wieder ihre Mädels, kramen Sie etwas in ihrem Kleiderschrank und gehen mal wieder ordentlich tanzen! Herr von Guttenberg, wenn Sie schon mit hochwohlgeborenem Adels-Charme versuchen etwas Stil in die Politik zu bringen, machen sie es doch richtig: Leben sie ihren Adel aus! Laden Sie doch in eines ihrer Anwesen ein, ein eleganter Ball, gute Musik, vielleicht laden sie noch den einen oder anderen bildenden Künstler ein - der Kultur wegen - und Sie verbringen tausendmal schönere Tage als in der Politik. Kombiniert mit einer Spendengala erhält da selbst Ihre Gattin die Möglichkeit, sich zu profilieren.
Liebe Politiker, steckt denn keine Kreativität in ihnen? Musizieren Sie, schreiben Sie, dichten Sie, experimentieren Sie in der Küche - hat die stumpfe Tagespolitik und Paragraphenschlägerei nicht zuweilen einen schöpferischen Drang in ihnen geweckt? Werden Sie einmal aktiv!
Liebe Grüne, wenn ihr doch die Umwelt so sehr mögt, gönnt doch Euren Gärten einmal etwas entspannte Aufmerksamkeit, oder unternehmt ausgedehnte Waldspaziergänge - unterstützt vielleicht das lokale Tierheim oder sammelt den Müll aus den Stadtparks. Liebe Konservative, die Ihr für Kultur, Bildung und "Werte" stehen wollt, organisiert doch einmal ein Kulturfest und zeigt uns, was eine "Leitkultur" nach Eurem Dafürhalten hervorbringen kann. Dafür wäre Ich Euch viel dankbarer, als Ich es je für einen Tag im Parlament sein könnte. Liebe Linke, die ihr euch "sozial" nennt, nutzt doch Eure Zeit einmal, um in Suppenküchen und Sozialläden auszuhelfen, sammelt Spendengelder, kurzum bitte ich Sie alle: Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Ideale zu leben. Und wenn Sie das nicht wollen, was können das dann für Ideale sein?
Wenn Sie aber weiterhin ihr "Amt" ausüben, obwohl ich Sie doch freispreche, bleibt eigentlich nur noch eine weitere Möglichkeit: Sie finden persönlichen Genuss an ihren Privilegien, ziehen Profit aus ihren Verbindungen zu Regierungen und Konzernen, die wirklich produktive wirtschaftliche Arbeitswelt fürchtend, welche sie kaputt "geholfen" haben. Sie leben, ganz wie die Kaiser und Könige der früheren Tage, Ihr hohes Leben auf Kosten der breiten, dafür zahlenden Mehrheit aus, die Sie egoistisch ausbeuten. Nicht dass Ich etwas gegen gesunden Egoismus hätte. Seien sie ruhig egoistisch und leben Sie - wie oben gesagt - Ihr eigenes Leben endlich aus. Aber bleiben sie doch erstens bitte in Ihrem eigenen und leben Sie dieses zweitens doch bitte nicht auf unsere Kosten. Sollte dieser ausbeuterische Egoismus wirklich wahr sein, so möchte ich diesen Brief hiermit an die Bürger, Nein, Untergebenen, dieser Regierung richten - mit Ihnen habe Ich dann nichts mehr zu bereden.Aber so etwas möchte ich Ihnen wirklich nicht unterstellen. Natürlich denke Ich, dass die meisten von Ihnen es wirklich gut meinen. Aber, wie man sagt, ist "gut" leider allzu oft - und hier ganz gewiss - das Gegenteil von "gut gemeint". Meinen Sie es also lieber mit dem Menschen gut, bei dem sie wissen, was ihm gefällt: Sich selbst! Und Sie finden sicher genug, um sich auszuleben. Denken sie nur einmal darüber nach, wie und wofür Sie ihr Leben eigentlich leben.Freundliche Grüße und in Kürze ein frohes Neues Jahr,
Niklas Fröhlich